Gebiete, Grenzen und Siedlungen seit 1967 

Israel hat durch Kriege sein Staatsgebiet erweitert.

Diese Aussage ist teilweise richtig. Der UNO-Teilungsplan vom November 1947 wurde von der zionistischen Bewegung akzeptiert, obwohl die Staatsgrenzen ungünstig und unlogisch waren. Die Araber verweigerten die Anerkennung des UNO-Entscheides und auf diesem Hintergrund brach der „Bürgerkrieg“ aus, der im Mai 1948 mit der arabischen Niederlage und der israelischen Eroberung jener Gebiete, die für den Staat Palästina vorgesehen waren, beendet war. Als Resultat dieses Krieges entstanden die durch das Waffenstillstandsabkommen erzielten Grenzen. Diese Grenzen beinhalteten die von Israel verlangte Verbreiterung der Küstenebene, wie auch die Übernahme der Haupt- und Verbindungsstrassen, die vor dem Krieg nicht für Israel vorgesehen waren, wie zum Beispiel die Strasse durch das Wadi Ara. Die Grenzen des Waffenstillstandes waren nicht als endgültige Grenze vorgesehen. Doch sie waren die einzigen international anerkannten und bis 1967 vorhandenen Grenzen, die Grüne Linie.

Mit dem Israel aufgezwungenen Sechstagekrieg, war in keiner Weise vorgesehen, die territorialen Grenzen zu erweitern. Sofort nach Beendigung dieses Krieges gab Israel seine Bereitschaft bekannt, die eroberten Gebiete für einen Friedensvertrag zurückzugeben. Die arabische Weigerung vom Kongress in Khartum führte zur Idee der Besiedlung der besetzten Gebiete. Nach Unterzeichnung des Friedensvertrags mit Ägypten gab Israel die gesamte Sinaihalbinsel zurück, hob alle Siedlungen und Städte, die inzwischen im Sinai gebaut worden waren, wieder auf und repatriierte etwa 6000 Siedler zurück nach Israel.

Israel gab auch seine Bereitschaft zum Rückzug aus Teilen der Golanhöhen bekannt, ohne jedoch dafür genaue Vorstellungen der Grenze aufzuzeigen. Bis zur Regierung Rabin war das israelische Motto „Die Tiefe des Friedens bestimmt die Tiefe des Rückzuges“. Im Friedensabkommen mit Jordanien standen keine territorialen Themen zur Diskussion, sondern seine Grundlage war „Wasser für Frieden“.

Auch Friedensabkommen verschiedener Art mit den Palästinensern, sind schlussendlich dem Motto „Frieden für Land“ verpflichtet. Abschliessend: einerseits sind die Grenzen Israels hauptsächlich durch Kriege zu Stande gekommen, aber andererseits werden durch bisherige und zukünftige Friedensabkommen die Landesgrenzen Israels enger gezogen, ähnlich der international anerkannten Staatsgrenze – der Grünen Linie.

Durch die neuen Mittel- und Langstreckenwaffen, spielt strategische Tiefe heute keine Rolle mehr.

Von vielen wird heute eine direkte Verbindung zwischen moderner technologischer Entwicklung und zwischen „strategischer Tiefe“ hergestellt.

Zwar hat das Zeitalter der modernen Raketenentwicklung, dem Staat die Möglichkeit weggenommen, Bombardierungen gegen die Bevölkerung und bewohnte Gebiete dadurch entgegenzutreten, indem sie hinter den Grenzen für strategische Tiefe sorgt. Der beste Beweis dafür war der erste Golfkrieg in 1991, in dem Irak 30 Langstreckenraketen auf Israel abfeuerte, über die „strategische Tiefe“ der Golanhöhen hinweg. Ebenso wenig konnte Israels Sicherheitszone im Südlibanon den Abschuss von Raketen in das nordisraelische Gebiet verhindern. Aber trotz der Entwicklung von Raketen aller Grössenordnungen können diese einen Krieg nicht entscheiden. Der einzige Weg dazu, ist noch immer durch Bodentruppen (Infanterie und Panzerverbände), die auf dem Boden das Feindgebiet erobern müssen. Daher ist strategische Tiefe auch weiterhin für die Verteidigung eines Staates unerlässlich.

Im Gegensatz zu strategischer Tiefe, hat der Ausdruck „topographischer Vorteil“ seine Bedeutung verloren. Dieser Begriff wurde hauptsächlich für Beobachtungsposten über grosse Distanzen benutzt. Ein weiterer Vorteil war auch die „elektronische Beobachtung“. In der Vergangenheit war die Beherrschung in grosser Höhe liegender Gebiete besonders zu Verteidigungszwecken wichtig. Heute, im Zeitalter der Beobachtungssatelliten, kann ein Staat alles an jedem Ort, zu jeder Zeit und in jeder Situation beobachten und abhören, ohne irgend einen topographischen Vorteil im Feld besitzen zu müssen. Womit die Hinfälligkeit des „topographischen Vorteils“ unterstrichen ist.

Die israelischen Siedlungen in der Westbank, Gaza auf der Golanhöhe sind wirtschaftlich autonom und deshalb keine Bürde für den israelischen Steuerzahler.

Mit den Siedlungen wurde in Israel eine neue Art der Besiedlung geschaffen, die es bisher nicht gegeben hatte, nämlich die „gemeinschaftliche Siedlung“ (Yischuv Kehilati). Gemeinschaftliche Siedlungen sind Orte im Stil eines Dorfes, die anfänglich eine Antwort auf den chronischen Mangel an landwirtschaftlichem Boden und Wasser suchten, insbesondere in hügligen Gebieten wie Judäa und Samaria. Daraus entwickelten sich diese gemeinschaftlichen Siedlungen mit dörflichem Charakter, die aber zu „Schlafdörfern“, mit einem luxuriösen Charakter und höchsten Lebensstandard wurden. Diese Siedlungen wurden ohne irgendeine Produktion- oder Industriegrundlage gebaut. Ihre Bewohner finden ihren Lebensunterhalt und Arbeitsplatz durch stundenlange Fahrten zu den Wirtschaftszentren Israels. Der Erfolg dieser Siedlungsform übertraf die gestellten Erwartungen bei weitem und eine sehr grosse Anzahl Israelis wurde von dieser neuen Art zu wohnen, angezogen. Von Judäa und Samaria breitete sich diese neue Siedlungsart erfolgreich auf alle Regionen des Staates aus. Mit dem Ziel, die Zahl der Bewohner dieser Orte in Judäa und Samaria zu vergrössern, bot die Regierung den Siedlern grosse, zum Teil überrissene finanzielle Vorzüge an. Das Land wurde praktisch kostenlos zur Verfügung gestellt, Kosten für die Entwicklung der Infrastruktur, die in dieser Region besonders teuer sind, wurden vom Staat übernommen. Die Kosten dieses Systems finanzieller Bevorzugung in der Westbank, kostet den Staat sechsmal mehr, als dies innerhalb der Grünen Linie kosten würde. Insgesamt wird von etwa fünfzig bis sechzig Milliarden US-Dollars gesprochen, die der Staat in den vergangenen fünfunddreissig Jahren, seit dem Sechstagekrieg, in die Siedlungen über der Grünen Grenze investiert hatte.

Der Allon-Plan ist dem Clinton-Plan überlegen, da er die palästinensischen Gebiete nicht in kleine Stücke aufteilt.

Es ist schwierig, die zwei Pläne zu vergleichen, vor allem darum, weil sich die allgemeine Situation seit der Zeit des Allon-Plans in den Sechzigerjahren und dem Clinton-Plan dreissig Jahre später, grundsätzlich geändert hat.

Im Allon-Plan war die Errichtung eines palästinensischen Staates überhaupt nicht erwähnt. Die palästinensische Bevölkerung der Gebiete hätte den Status einer jordanisch-palästinensischen Föderation oder einer Konföderation erhalten. Jordanien wäre der führende Partner und verantwortlich für Sicherheit, sowie für die Aussen- und Innenpolitik der Westbank gewesen. Im Prinzip hätte Jordanien weiterhin, wie vor dem Sechstagekrieg, auf der Westbank das Leben der Palästinenser bestimmt (der Allon-Plan wurde nie offiziell durch die jordanische Regierung oder die Palästinenser diskutiert). Auf jeden Fall ist diese Option nicht mehr möglich, vor allem deshalb nicht, weil sie für die Palästinenser heute nicht annahmefähig ist. Die Palästinenser glauben, kämpfen und bezahlen einen hohen Preis, damit sie die volle staatliche Unabhängigkeit erreichen können. Auch Jordanien anerkennt die Tatsache, dass das Königreich nicht im Stande ist, eine so grosse palästinensische Bevölkerung zu regieren, ohne seine eigene Existenz zu gefährden. Nach Ausbruch der ersten Intifada, gab Jordanien schon 1988 bekannt, kein Interesse an einer Rückkehr in die Westbank zu haben, und dass sie es vorziehe, dass in diesem Gebiet ein unabhängiger palästinensischer Staat entstehen würde.

In allen Friedensplänen, vom Oslo Abkommen in 1993 bis zu den Clinton-Vorschlägen im Jahre 2000 wurden die Bedingungen für einen unabhängigen palästinensischen Staat diskutiert, einerseits mit einer Lösung des palästinensischen Problems und anderseits mit der Sicherung der Existenz des Staates Israel. Wie werden die Grenzen des Staates aussehen? Die Themen „Recht zu Rückkehr“, Sicherheitsabkommen, Wasserprobleme und Siedlungen etc.– haben bisher kein gegenseitiges Einverständnis zwischen den zwei Völkern gebracht.

Die Unterdrückung der palästinensischen Araber ist auf zionistischer Ideologie begründet und deshalb der Grund des arabischen Widerstandes.

Die zionistische Bewegung hat über eine Vertreibung der Araber, der Verweigerung ihrer politischen, sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Rechte nie gesprochen. Die Bewegung unternahm zahlreiche Anstrengungen mit den Arabern eine Zusammenarbeit und gegenseitiges Verstehen zu erreichen. Doch bei Beginn der Ersten Alia der Chowewei Zion (1892), erwachte gegen die zionistische Bewegung eine nationalistische Gegnerschaft von extremistischer arabischer Seite. Alle Versuche auf jüdischer Seite bei Arabern Verständnis zu erlangen und ein gegenseitiges Übereinkommen zu erreichen, endeten in einem Tohuwabohu. Die zionistische Bewegung war der Meinung, dass keines der zwei Völker über das andere herrschen solle. Sie suchte Lösungen innerhalb eines vereinigten Eretz Israel. Der Wunsch nach einem unabhängigen jüdischen Staat in einem für zwei Völker geteilten Eretz Israel wurde erst Ende der Dreissigerjahre gehört. Dies als Resultat der Spannungen zwischen Juden und Arabern im Lande und mit der Erkenntnis, dass im selben Land zwei Völker nicht friedlich zusammen leben können. Der Stein des Anstosses war anfänglich die jüdische Einwanderung, der Landkauf und die Errichtung von Siedlungen. Dieser Prozess führte zu nationaler und extremer Feindschaft gegen das zionistische Projekt, und brachte blutige Zwischenfälle in den Jahren 1920 - 1921, 1929, 1936 -1939. Die extremen arabischen Nationalisten wurden von Mitgliedern der Husseini Familie angeführt, aus der auch der Mufti von Jerusalem stammte, der zur selben Zeit einer der übelsten und wildesten Anstifter zur Gewalt gegen die Juden war. Dr. Chaim Weizman, der im Jahre 1918, gleich nach der Balfour Erklärung, nach Eretz Israel kam, versuchte die antijüdischen und antizionistischen Flammen aus extremistischen nationalistischen und politisch revolutionären arabischen Kreisen zu beruhigen. Für die Araber war Eretz Israel Teil „Grosssyriens“, dem sie politisch angehören wollten, umso mehr durch die fortschreitende jüdische Alia dazu motiviert. Die arabische Einstellung zum Zionismus verschärfte sich weiter. Die Araber lehnten sämtliche Vorschläge zum Problem Eretz Israel durch verschiedene Untersuchungskommissionen ab, die versuchten, friedliche Lösungen zu finden. Sie verlangten die Erstellung einer arabischen Mehrheitsherrschaft und lehnten sämtlich Rechte der sich im Lande befindenden Juden ab. Schon am Pan-Arabischen Kongress, der 1937 in Syrien stattfand, wurde entschieden, dass Eretz Israel unveräusserlicher Teil des „arabischen Heimatlandes“ sei und dass die Balfour Erklärung sowie das britische Mandat über Eretz Israel annulliert werden müsse. Im Jahre 1945 entstand die Arabische Liga, deren Existenz dazu diente, alle Probleme von Eretz Israel im Namen der gesamten arabischen Nation zu lösen. Die arabische Liga war der Auslöser zum arabischen Angriff auf Eretz Israel in 1948 und organisierte auch die arabische Gegnerschaft zum Teilungsplan der UNO.

Sämtliche Anstrengungen der zionistischen Führerschaft, den Arabern die Ziele der zionistischen Bewegung zu erklären und sie davon zu überzeugen, dass es dieser nicht um die Herrschaft über Araber gehe, verliefen im Sande.

In der Folge des Unabhängigkeitskrieges (1948), verschärfte sich die arabische Feindschaft gegen den Zionismus weiter. Es wurde der arabische Wirtschaftsboykott gegen Israel eingeführt und es begannen arabische Terroraktionen gegen Zivilisten, Siedlungen und Entwicklungsanlagen der Industrie. Die Araber strebten die totale Liquidierung in Raten des Staates Israel an: Israel sollte dazu bewegt werden, zu den Grenzen des Teilungsplanes zurückzukehren, die arabischen Flüchtlinge ihrerseits sollten zurückkehren dürfen und der Abbruch der jüdischen Einwanderung nach Israel wurde verlangt. Im Jahre 1964 wurde die PLO gegründet, mit dem Ziel, die palästinensische Gegnerschaft gegen das Bestehen Israels zu organisieren. Es ist klar zu sehen, dass der arabische Kampf gegen die zionistische Existenz in Eretz Israel schon mit den ersten jüdischen Einwanderern vor weit über hundert Jahren begann, im Laufe der Jahrzehnte stärker und etablierter wurde, aber keinerlei Verbindung zur Eroberung der Westbank von 1967 zeigte.

Auch wenn keine palästinensischen Flüchtlinge nach Israel (innerhalb der Grünen Grenze) zurückkehren, wird sich die demographische Situation im Land innert wenigen Jahrzehnten zu Ungunsten Israels ändern.

Als Resultat des Unabhängigkeitskrieges Jahre 1948 wurden 750'000 Araber zu Flüchtlingen, Hunderte von Dörfern und Städten wurden von ihnen verlassen. In Israels Staatsgebiet. verblieben nach Kriegsende nur 160'000 Araber. Die arabische Bevölkerung zeichnet sich durch eine hohe natürliche Geburtsrate aus, die zu den höchsten der Welt gehört. Aus diesem Grund der natürlichen Vermehrung, wurden im Jahre 2000 1,2 Millionen arabische Bürger Israels gezählt, ein Anteil von 20% der 6,5 Millionen Einwohner des Staates. Zu diesen arabischen Israelis, die alle volle Bürgerrechte geniessen, herrscht Israel zum Teil über 1.9 Millionen Araber in Judäa und Samaria und über 1.1 Millionen Araber im Gazastreifen. Im ganzen Gebiet Eretz Israel leben drei Millionen Palästinenser und 1.2 Millionen israelische Araber, die zusammen 4.2 Millionen Araber ergeben,. gegenüber 5.2 Millionen Juden. Die Juden machen 56% der Gesamtbevölkerung aus.

Gemäss einer Schätzung für das Jahr 2020, die sowohl auf die unterschiedlichen, natürlichen Geburtsraten der beiden Völker, als auch auf die pessimistischen Einwanderungserwartungen nach Israel beruhen, wird sich der Anteil der arabischen Israelis auf 30% erhöhen. Die arabische Bevölkerung in Judäa und Samaria wird dann 6.5 Mio. betragen. Gesamthaft wird sich die Bevölkerung bis im Jahre 2020 aus etwa 9 Mio. Araber und 6.6 Mio. Juden zusammensetzen. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung wird von heute 56% auf 42% sinken.

Diese schwerwiegende demographische Tatsache hat enorme territoriale Auswirkungen. Es scheint, dass sogar Anhänger der Gross-Israel Ideologie heute verstehen, dass für das Weiterbestehen des Staates Israel auch von seinem Charakter als demokratisches und auch als jüdisches Staatswesen, schlussendlich zwingend die Errichtung eines palästinensischen Staates an der Seite Israels erforderlich ist.

Die israelischen Araber fürchten sich vor einem Friedensabkommen, in dem von Arabern bewohnten Gegenden Israels samt Bewohnern, doch ohne deren Einverständnis, dem Hoheitsgebiet des zukünftigen Staates Palästinas zugesprochen würde.

Die Araber Israels leben mit einer doppelten Identität: auf der einen Seite sind sie israelische Araber, auf der anderen Seite verstärkte der Sechstagekrieg ihr nationales Selbstverständnis als „palästinensische Araber, die in Israel wohnen“.

Die Araber Israels profitierten von einem schnellen Anstieg ihres Lebensstandards. Dieser Anstieg des Lebensstandards geht einher mit gestiegenen Erwartungen der arabischen Bevölkerung – besonders unter der Jugend und den jüngeren, gut ausgebildeten unter ihnen. Diese Erwartungen sind vor allem der Wunsch, die Lebensqualität der jüdischen Bevölkerung Israels zu erreichen. Ebenfalls wuchs der palästinensische Nationalismus und die Identifikation mit den Arabern der Gebiete. Dies führte zu Protesten gegen den Staat Israel und löste einen vermehrten Einfluss fundamentalistischer islamischer Kräfte aus, die wiederum zu Unsicherheit und zum Verdacht doppelter Loyalität führten. Die Folgen waren erhöhte Spannungen im Verhältnis zwischen den jüdischen und den arabischen Bürgern. Als Mindestleistung verlangten die Araber Israels, dass an der Seite Israels ein palästinensischer Staat entstehen solle.

Nach Plänen, die zwischen Israel und den palästinensischen Behörden entwickelt worden waren, kann Israel Gebiete mit jüdischen Siedlungen belassen, unter der Bedingung, dass Israel auf Gebiete ähnlicher Grösse verzichtet. Im Rahmen dieser Planung, kam in Israel die Idee auf, dem palästinensischen Staat, wenn er überhaupt entstehen sollte, von Arabern bewohnte israelische Gebiete - entlang der Grünen Linie - hinzuzufügen. Auf diese Weise könnte Israel die Siedlungen in den Gebieten behalten und das demographische und politische Gewicht der arabischen Bevölkerung in Israel reduzieren. Es muss betont werden, dass diese Idee offiziell nie diskutiert worden ist. Umfragen innerhalb der arabischen Bevölkerung in Regionen, die in diesem Zusammenhang diskutiert worden waren, haben gezeigt, dass 97% dieser Bevölkerung nicht bereit sind, in einem palästinensischen Staat zu leben, sondern nur im Staat Israel. Dieser Entscheid in Israel zu leben, wiederspricht in keiner Weise dem Wunsch für einen Staat Palästina neben Israel. Die Idee Araber, die israelische Bürger sind, dem Staat Palästina anzugliedern, wird als Rassismus betrachtet.

Die Siedlungen bringen den arabischen Bewohnern der Westbank wirtschaftlichen Nutzen.

Der Bau tausender Wohneinheiten in den Siedlungen in den Gebieten förderte die Entwicklung eines Strassennetzes, und der Schaffung zehntausender Arbeitsplätze, hauptsächlich in der Baubranche und im Dienstleistungssektor. Dieser Prozess führte zu einer wirtschaftlichen Blüte, die den Lebensstandard der Palästinenser erhöhte. Ebenso führte der schnelle Anstieg der Einwohnerzahl in einer Region, mit sehr beschränkten Bodenschätzen und ohne nennenswerte eigene wirtschaftliche Entwicklung, zu einer totalen Abhängigkeit von der israelischen Wirtschaft. Dieser Zustand entwickelte sich bis zur ersten Intifada, die in 1988 begann. Folge des Zusammenbruches der Sicherheitssituation und der zunehmenden Zahl der Terroranschläge, wurde die Einreise palästinensischer Arbeitskräfte nach Israel mehr und mehr eingeschränkt. Zwar fand Israel dafür Ersatz, indem es etwa 200'000 Fremdarbeiter ins Land holte, doch für die palästinensische Bevölkerung fand sich keinerlei alternative Beschäftigung und die Abhängigkeit von Israel blieb wie sie war. Das Resultat davon war in den vergangenen zwei Jahren eine starke Abnahme des Pro-Kopf-Einkommens, die zu einer steilen Abnahme des Lebensstandards führte. Das Bruttosozialprodukt der Palästinenser in Judäa und Samaria von $ 1200 fiel auf $ 800 in 2002 (verglichen mit $ 16'500 in Israel). Im Gazastreifen ist die wirtschaftliche Situation noch schlechter, das Bruttosozialprodukt fiel von $ 1100 in 1999 auf $ 650 im Jahre 2002.

Der arabische Widerstand und der Hass auf Israel und Juden hat nichts mit Gebietsbesetzungen und Grenzziehungen zu tun, sondern ist grundsätzlicher Art und gegen die Juden als Teil des westlichen Kulturkreises gerichtet.

Die Mehrheit arabischer und palästinensischer Führer können und wollen sich mit der Existenz eines jüdischen Staates im Herzen des Mittleren Ostens nicht abfinden. Tatsächlich, sind seit 1947 und bis heute eine Anzahl arabischer Führer (vor allem die Verweigerungsfront – Syrien, Irak und Libyen) und einige palästinensische Führer (vor allem aus religiösen Kreisen), die sich der Errichtung eines palästinensischen Staates widersetzen, nur damit sie die Existenz des Staates Israel nicht anerkennen müssen. Sie versuchen mit allen Kräften das jüdische Volk zu hindern, in seinem eigenen Staat zu leben, gleich wie andere Mitglieder der menschlichen Gemeinschaft. Der klassische arabische Standpunkt ist, dass das Judentum nicht dem Islam gleich zu setzen ist („Dar Al-Islam“) und aus islamischen Gründen dessen Herrschaft über eine islamische Minderheit nicht geduldet werden darf. Daraus entstand das Problem, Israel als Staat im Mittleren Osten zu akzeptieren. Auf diesem ideologisch/religiösen Hintergrund entstanden Fatwas (religiös, auf der Schariah begründete Urteile), die zur Vernichtung Israels, der zionistischen Bewegung und schlussendlich des jüdischen Volkes aufrufen. Diese Auffassung führte dazu, dass dieser Kampf mit religiösen Begriffen geführt wird: statt israelisch/palästinensischem Kampf, diese Auseinandersetzung eine zivile Grundlage geben würde, wurde daraus ein islamisch/jüdischer Kampf mit religiösem Hintergrund. Diese Art einer Auseinandersetzung ist viel schwieriger zu lösen. Auch das Entstehen eines palästinensischen Staates neben Israel kann Gewalttaten nicht verhindern, die sich auf religiöse und ideologische Grundsätze berufen. Auf diesem Hintergrund entstanden islamische Terrororganisationen wie die islamische Brüderschaft, der islamische Dschihad und Hamas. Die Auffassung dieser Organisationen ist, dass es verboten sei, mit Israel Frieden zu schliessen, da die Existenz Israels ungesetzlich ist. Auf dem gesamten Gebiet Eretz Israels müsse ein palästinensischer Staat, regiert auf religiösen Grundsätzen, entstehen. Würde die PLO unter Jassir Arafat einen säkularen palästinensischen Staat neben Israel errichten, wäre dessen Existenz in den Augen der islamischen Terrororganisationen, genau so ungesetzlich wie die Existenz Israels. So gesehen, befindet sich die palästinensische Gesellschaft kurz vor einem Bürgerkrieg. Gemäss Expertenberichten unterstützt die Mehrheit der Bevölkerung des Gazastreifens die extreme islamische Auffassung, die auch in Judäa und Samaria mehr und mehr Anhänger gewinnt.

Die Übernahme religiöser Weltanschauungen geschieht auf beiden Seiten, der israelischen und der arabischen. Sie verschärft die Gegensätze der schwierigen Situation noch weiter. Die Aussichten, eine Auseinandersetzung, die auf religiösen Motivationen beruht, zu lösen, sind weit schlechter. Der Streit zwischen dem fundamentalistischen Islam und dem Kampf gegen die westliche Welt (vor allem gegen die USA) – sind zu einem Symbol der arabischen Welt geworden und darf nicht von einander getrennt werden. Der islamische Kampf gegen die Globalisierung und den Einfluss westlichen, in den Mittleren Osten eindringenden Gedankengutes, der islamische Kriege gegen Israel und den Zionismus – sind Symbole westlichen Einflusses im Mittleren Osten. Der Islam befindet sich zur Zeit in einer Krise, die ihn in einen Zustand der Verzweiflung drängt. Die, weltweit gesehen, Mehrheit der Moslems ist vor über fünfzig Jahren von der westlichen kolonialistischen Herrschaft befreit worden. Trotzdem verschlechtert sich die Situation islamischer Staaten von Jahr zu Jahr. In der islamischen Auffassung, befindet sich der Islam unter pausenlosem Angriff aus dem christlichen Westen. Dagegen muss er sich mit allen Mitteln wehren. Zwischen dem Westen und Israel gibt es eine kulturelle und geistige Verwandtschaft. Deshalb unterstützt der Westen Israel, in seinem imperialistischen Kampf gegen die arabische Welt. Der globale Kampf der Kulturen, schränkt die Möglichkeit eine Lösung für den israelisch/palästinensischen Streit zu finden ein, da er nicht von Entwicklungen mit dem Rest der Welt abhängt, sondern unabhängig davon existiert.

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