Probleme und Charakter der israelischen Gesellschaft
Israel ist ein Einwanderungsland . Das klingt recht unspektakulär, schliesslich trifft diese Aussage heute auf die meisten modernen Industrienationen zu. Doch im Falle Israels hat das eine andere Bedeutung. Für den jüdischen Staat ist die Einwanderung seit seiner Gründung im Mai 1948 ein wichtiger Bestandteil seiner raison d'être. Ziel des politischen Zionismus war und ist die „ Sammlung der Verstreuten “. Oder mit anderen Worten: Der Exodus des gesamten jüdischen Volkes in Richtung Israel, um hier als Juden unter Juden ein Leben führen zu können, das frei von Diskriminierung und Verfolgung ist. So weit die Theorie. Die Praxis sieht wie immer ein wenig anders aus. Nicht nur die Tatsache, dass seither über drei Millionen Juden aus allen Teilen der Welt nach Israel einwanderten und hier eine der kulturell vielseitigsten Gesellschaften schufen, darf wohl als einzigartig bezeichnet werden, sondern auch die Probleme, die sich bei der Integration derart vieler Menschen unterschiedlichster Herkunft in relativ kurzer Zeit ergaben.
Zudem hat in Israel ein radikaler Wertewandel stattgefunden. Der jüdische Staat ist nicht zu einem Zusammenschluss hebräischer Bauernkommunen geworden, wie es die sozialistisch angehauchte Ethik seiner Gründerväter einst vorsah. Dafür entstand eine urbane und moderne Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft - mit gravierenden Folgen für das Selbstverständnis des Staates Israel und den Zionismus .


