Wasserkrise in Nahost 

Dem Nahen Osten geht das Wasser aus: Seit Jahren herrscht in Israel und bei seinen Nachbarn ein Mangel an dem kostbaren Nass. Insbesondere in den vergangenen Jahren spitzte sich die Situation dramatisch zu. Der See Genezareth, immerhin das grösste Süsswasserreservoir Israels, stand aufgrund ausbleibender Regenfälle und einer massiven Überpumpung vor dem ökologischen Kollaps. Und der Grundwasserspiegel der unterirdischen Speicher entlang der Küste sowie unter den Bergen Judäas sank bedrohlich. Ein ungezügelter Verbrauch, eindringendes Salzwasser und Umweltverschmutzung gefährden zunehmend diese für Israelis und Palästinenser gleichermassen lebenswichtigen Trinkwasserreserven.

Die Wasserkrise ist im Nahen Osten alles andere als neu. Sie ist in den vergangenen Jahrzehnten jedoch um ein Vielfaches brisanter geworden. Der gestiegene Lebensstandard und das Bevölkerungswachstum haben dazu geführt, dass heute praktisch in jedem Staat in der Region der Wassernotstand herrscht. Das gilt insbesondere auch für Israel. Doch trotz der alljährlichen Warnungen und düsteren Prognosen gehen die Israelis nicht gerade vorsichtig mit dem kostbaren Nass um, sondern pflegen einen Konsum nach amerikanischem Vorbild. Und Israels Politiker haben in der Vergangenheit wenig unternommen, neue Wege in Sachen Wassermanagement zu begehen.

Wasser ist in der Region aber der Stoff, aus dem Konflikte werden können. Wer es besitzt, bestimmt nahezu jeden Entwicklungsfortschritt. Dass der Streit um die knappe Ressource die Stabilität des gesamten Nahen und Mittleren Ostens gefährden kann, ist jedem Beteiligten bewusst. In allen Verhandlungen zwischen Israel und seinen Nachbarn spielt die Frage nach dem Zugriff auf Wasser daher eine zentrale Rolle. Der Nahe und Mittlere Osten braucht eine gerechte Verteilung. Doch für Israel bringt jeder Frieden territoriale Kompromisse mit sich und dies führt automatisch zu einer Verringerung der zur Verfügung stehenden Wassermengen. Nur der Bau von Meereswasserentsalzungsanlagen, bessere internationale Kooperationen sowie eine effizientere Nutzung des Rohstoffs Wasser helfen, künftige Kriege um Wasser zu vermeiden und politische Differenzen zu überbrücken.

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