Der Preis der Intifada 

Die seit dem September 2000 tobende 2. Intifada hat viele Opfer gefordert. Die Vision eines Neuen Nahen Ostens, in dem Israelis, Palästinenser sowie die Bewohner der arabischen Nachbarstaaten in friedlicher Koexistenz leben und gemeinsam einen prosperierenden Wirtschaftsraum aufbauen, ist nur eines davon. In den Jahren 2001 und 2002 rutschte Israel in die wohl tiefste wirtschaftliche Rezession seit seiner Gründung im Jahre 1948. Zweimal in Folge wies die Wachstumsrate ein Minus aus und auch für das Jahr 2003 scheint keine Besserung in Sicht. Seit 1953, dem einzigen Jahr in der Geschichte Israels mit einer negativen Wachstumsbilanz, hat es so etwas noch nicht gegeben. Der weltweite Konjunkturrückgang und die Hightech-Krise haben Israel natürlich mit in den Strudel gerissen. Doch dass die Talfahrt der israelischen Wirtschaft in so kurzer Zeit derart rasant einsetzte, dafür ist in allererster Linie die 2. Intifada verantwortlich. Denn die Bekämpfung des Terrors hat ihren Preis: Reservisten werden regelmässig weg von ihren Arbeitsplätzen zum Einsatz beim Militär gerufen. Im Staatshaushalt klaffen immer grössere Löcher, weil die schlechte Wirtschaftslage und das Fernbleiben vieler Arbeitnehmer vom Job zu weniger Steuereinnahmen führen, während gleichzeitig höhere finanzielle Aufwendungen für die Sicherheit der Bevölkerung aufgebracht werden müssen. Diese Gelder fehlen in den Bereichen Infrastruktur und Bildung, wodurch sich wiederum langfristig die Chancen des Wirtschaftsstandorts Israel verschlechtert. Ausländische Investoren werden aufgrund der unsicheren politischen Lage abgeschreckt, denn wer möchte schon Geld in ein Land stecken, das er sich aus Furcht vor Terror nicht traut, selbst zu besuchen. Und während die Israelis voller Schrecken mit ansehen müssen, wie ihr noch in den neunziger Jahren viel gepriesenes „Silicon Wadi“ rapide an Glanz verliert, versinken die Palästinensischen Autonomiegebiete dank eines tödlichen Gemischs aus politischer Krise, Gewalt, Vetternwirtschaft und Korruption im wirtschaftlichen Nirwana.

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