Israel in den Medien
Fast täglich wird über Israel in den deutschsprachigen Medien berichtet. Ob Friedensprozeß, Regierungskrisen, Terror oder spektakuläre Militäraktionen – ständig gibt es Neuigkeiten. Was angesichts der Größe des Landes eigentlich erstaunen muß: Nur in Washington und Moskau sind noch mehr Journalisten akkreditiert als in Jerusalem. Quantitative Defizite in der Berichterstattung gibt es also keine. Doch bei der journalistischen Gratwanderung, die Realitäten vor Ort einerseits knapp und trotzdem verwoben in den komplexen politischen, soziologischen und historischen Kontext darzustellen, fällt die Entscheidung nur allzu oft zugunsten einer auf Gewalt reduzierten Medienberichterstattung. Israel in den Medien – das heißt in der Regel die Fixierung auf das Fanatische und Militärische, auf grenzenlose Gewalt und polarisierende Politiker. Andere Lebenswirklichkeiten werden vielfach ausgeblendet. So entsteht fast zwangsläufig der Eindruck, als ob es sich bei Israel um eine Gesellschaft im permanenten Ausnahmezustand handelt. Aber noch etwas ist zu beobachten: Seit dem Beginn der 2. Intifada im Herbst des Jahres 2000 hat sich der Ton gegenüber Israel dramatisch verschärft. Gerade die deutschsprachige Medienberichterstattung über Israel ist zunehmend von Ressentiments geprägt. Meinungen ersetzen Informationen, Behauptungen bleiben ohne Beweise, Zusammenhänge fehlen oft. Printmedien und TV bedienen sich dabei immer häufiger Bildern und Begriffen, die vom Leser und Zuschauer als Bestätigung ihrer Vorurteile gegenüber Juden im Allgemeinen, Israelis im Besonderen, aber auch gegenüber Palästinensern verstanden werden. Und obwohl sich zunehmend ein negatives Israel-Bild in der Öffentlichkeit manifestiert, behaupten Politiker immer noch, ein „Tabu zu brechen“, wenn sie Israel kritisieren.


