Die nicht-jüdischen Minderheiten Israels
Demographische Entwicklung
1948 lebten auf dem Territorium des neu gegründeten Staates Israel rund 156.000 Araber. Bis zur Mitte des Jahres 2002 wuchs diese Zahl auf 1.290.000 Personen an – einschliesslich der in Ost-Jerusalem lebenden Araber, die nur zu einem geringen Prozentsatz die israelische Staatsbürgerschaft angenommen hatten. Heute sind etwa 19 Prozent aller Israelis Araber, laut Schätzungen des Israel Central Bureau of Statistics werden es im Jahre 2020 ca. 21 – 24 Prozent sein . Dieser aussergewöhnliche Bevölkerungszuwachs beruht auf einer ganzen Palette von Ursachen:
- Gegen Ende bzw. im Anschluss an den Unabhängigkeitskrieg 1948 kamen 35.500 arabische Flüchtlinge ins Land – entweder im Rahmen von Familienzusammenführungen oder aber durch illegale Einwanderung. In den Jahren nach 1948 wurde der Status dieser Personen legalisiert und sie erhielten die israelische Staatsbürgerschaft.
- In den Jahren von der Staatsgründung bis zum Sechstagekrieg war die hohe Geburtenrate der einzige Grund für die starke Zunahme der arabischen Bevölkerung. Die israelischen Palästinenser wiesen in diesem Zeitabschnitt eine der höchsten Wachstumsraten der Welt auf und übertrafen in den sechziger Jahren mit 4.5 Prozent pro Jahr sogar die hohe Geburtenrate der übrigen arabischen Länder. In den neunziger Jahren reduzierte sich die Bevölkerungszunahme zwar auf 3.2 Prozent, sie ist aber im weltweiten Vergleich immer noch überdurchschnittlich hoch. Die Geburtenrate in Israel betrug 1998 pro muslemisch-arabischer Frau 4,76 Kinder, pro christlich-arabischer Frau 2,62 und pro jüdischer Frau 2,67. Im Vergleich dazu: In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre lag die Geburtenrate noch bei 8,71 Kinder pro muslemisch-arabischer Frau, 4,56 pro christlich-arabischer Frauen und 3,56 pro jüdischer Frau.
- Die verlängerte Lebenserwartung ist ein weiterer Grund für das hohen Bevölkerungswachstum der israelischen Palästinenser. Wie die jüdische Bevölkerung auch, profitieren sie von dem hohen Niveau des gut ausgebauten israelischen Gesundheitssystems. Dank der Fortschritte in der Medizin sowie einem kontinuierlich gestiegenen Lebensstandard betrug im Jahre 1998 laut Angaben des Israel Central Bureau of Statistics die heutige Lebenserwartung in der arabischen Bevölkerung Israels bei Männern 74.3 und bei Frauen 77.7 Jahre. 1971 waren es bei Männern noch 68,7 und bei Frauen 72,8 Jahre. Im Vergleich dazu: Die durchschnittliche Lebenserwartung bei jüdischen Männern in Israel lag 1998 bei 76,5, bei jüdischen Frauen 80,7 Jahre. 1971 waren es noch 70,6 bzw. 73,8 Jahre. Und in den benachbarten Ländern Ägypten, Libanon, Syrien und Jordanien ist sie im Schnitt 7 bis 13 Jahre niedriger.
- Im Juni 1967 erhöhte sich nach der Wiedervereinigung Jerusalems die Zahl der in Israel lebenden Araber um weitere 65.857 Personen. Es handelt sich dabei um die zuvor unter jordanischer Verwaltung lebenden Palästinenser im Ostteil der Stadt. Bis zum Jahre 2002 wuchs diese Gruppe auf 210.000 Personen an und macht damit rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Stadt aus. Der überwiegende Teil der in Ost-Jerusalem lebenden Araber lehnte jedoch das Angebot ab, die israelische Staatsbürgerschaft zu erhalten, und optierte für den Status eines „permanent resident“.
Der Grossteil der israelischen Araber lebt in ausschliesslich arabischen Städten und Dörfern, die auf drei Regionen verteilt sind:
- Im Norden in Galiläa, wo Araber rund die Hälfte der Bevölkerung ausmachen.
- Im sogenannten „Kleinen Dreieck“ in der Mitte, entlang der Grenze zur Westbank.
- Die Negev-Wüstenregion im Süden.
Rund 200.000 Menschen und damit ca. 18,5 Prozent der arabischen Bevölkerung leben in den sieben arabischen Städten Nazareth, Umm el-Fahm, Shefa ’Amr, Taibe, Tira, Sakhnin und Rahat. Mit knapp 70.000 Einwohnern ist Nazareth so etwas wie die heimliche „Hauptstadt“ der israelischen Araber. Über 530.000, also mehr als 50 Prozent der Araber in Israel verteilen sich auf 114 Dörfer. Über 84.000 Araber und damit 9 Prozent leben als Minderheit in gemischt jüdisch-arabischen Städten wie Tel Aviv-Jaffa, Haifa, Akko, Lod oder Ramleh. Weitere rund 60.000 leben in ca. 50 sogenannten „illegalen Dörfern“, vornehmlich im Negev. Es handelt sich dabei um Ansiedlungen, deren legaler Status aus den unterschiedlichsten Gründen von Israel nicht anerkannt wird.
Die muslimische Minderheit
Je nach Perspektive lassen sich die arabischen Israelis entweder als nationale Minderheit (Palästinenser), als ethnische Minderheit (Araber) oder aber als religiöse (Muslime, Christen, Drusen) und sprachlich-kulturelle (Arabisch) Minderheit definieren. Die grösste Gruppe unter den nicht-jüdischen Israelis sind die arabischen Muslime. Laut der ersten in Israel durchgeführten Volkszählung aus dem Jahre 1948 waren rund 70 Prozent der Minderheiten muslimische Araber, 21 Prozent christliche Araber sowie 9 Prozent Drusen. In der zweiten Volkszählung aus dem Jahre 1961 zeigt sich ein ähnliches Bild. Erst nach dem Jahre 1967 und der Wiedervereinigung Jerusalems stellte sich eine gravierende Veränderung ein, da zu diesem Zeitpunkt 83 Prozent der Einwohner des Ostteils der Stadt ebenfalls Muslime waren. Aus diesem Grunde und dank ihrer höheren Geburtenrate nahm seither der Anteil muslimischer Araber unter den Minderheiten in Israel kontinuierlich zu. Heute sind in etwa 75 Prozent aller in Israel lebenden Araber Muslime, knapp 16 Prozent Christen und rund 9 Drusen. Die in Israel lebenden Muslime gehören zur Gruppe der Sunniten, die mit 80 Prozent weltweit die Mehrheit bilden. Die Sunniten kennen keinen Klerus und keine höchste personifizierte Lehrinstanz. Allerdings kommt den Theologen bzw. den entsprechenden Fakultäten an den Hochschulen, darunter der Al-Azhar Universität in Kairo, eine gewisse meinungsbildende Rolle zu. In zivilrechtlichen Fragen wie Ehe und Scheidung handeln sie als anerkannte Religionsgemeinschaft autonom. Einzig die Polygamie – die Ehe eines Mannes mit mehreren Frauen gleichzeitig – und die Verheiratung von Kindern durch ihre Eltern wurden vom Staat Israel unterbunden. Israel ist zudem eines der wenigen Länder im Nahen Osten, in dem Frauen offiziell die gleichen Rechte wie Männer haben, so z.B. das aktive und passive Wahlrecht.
Christen in Israel
136.000 christliche Araber leben als Minderheit innerhalb einer Minderheit in Israel. Sie sind keine einheitliche Gruppe, sondern lassen sich den vier verschiedenen Grundströmungen innerhalb des Christentums zuordnen: Orthodox, Monophysitisch, Katholisch und Protestantisch. Die meisten christlichen Araber gehören der Griechisch-Orthodoxen Kirche an. Das Griechisch-Orthodoxe Patriarchart zählt rund 120.000 Gläubige, wobei aber die Griechisch-Orthodoxen Minderheiten in den Besetzten Gebieten mitgerechnet werden. Von den Monophysitischen Kirchen ist unter den christlichen Arabern nur die Syrisch-Orthodoxe von Relevanz. Sie zählt rund 2.000 Mitglieder. Etwa 50.000 israelische Araber, die überwiegend in Galiläa leben, gehören der Griechisch-Katholischen Archdiözese an, die als so genannte unierte Ostkirche sich teilweise Rom wieder angeschlossen hat. Ferner gibt es noch weitere 6.500 maronitische Christen, die ebenfalls der Römische-Katholischen Kirche verbunden sind. Die Griechisch-Katholische bzw. maronitische Glaubensausrichtung unterscheidet sich von der Römisch-Katholischen durch unterschiedliche Riten, ihre Bischöfe aber sind der Kongregation für Ostkirchen der Römischen Kurie unterstellt. Die grösste Gruppe unter den protestantischen Christen sind die Anglikaner mit 4.500. Dazu kommen noch 900 Baptisten und 500 Lutheraner. Der Status all dieser christlichen Gemeinschaften ist autonom. Als anerkannte Religionsgemeinschaften obliegt ihnen genau wie allen anderen Religionsgruppen die Jurisdiktion in zivilrechtlichen Angelegenheiten wie Ehe und Scheidung. Zuständig für die Kontakte zwischen den einzelnen christlichen Gruppierungen, aber auch zu den muslimischen Institutionen und der israelischen Regierung ist das Ministerium für religiöse Angelegenheiten in Jerusalem.
Die Situation für die israelischen Araber christlichen Glaubens hat sich in jüngster Zeit dramatisch verschärft: Traditionell bestand der Unterschied zwischen ihnen und den Muslimen hauptsächlich darin, dass die arabischen Christen eher in den urbanen Zentren Palästinas lebten, in der Regel besser ausgebildet waren - von den christlichen Arabern besuchen 27 Prozent mehr als 12 Jahre lang eine Schule, bei Muslimen und Drusen sind es nur 14 Prozent - und daher auch im Durchschnitt vermögender. Doch mit dem Erstarken der islamistischen Bewegung unter den muslimischen Arabern Israels einerseits und aufgrund der Tatsache, dass sie als arabische Minderheit in einem jüdischen Staat leben, fühlen sie sich zwischen den Stühlen sitzend und oftmals in ihrer Existenz bedroht. Die Folge: Viele israelische Araber wanderten in den letzten Jahren ins Ausland aus. Ein Trend, der ebenfalls unter den arabischen Christen in den Autonomiegebieten zu beobachten ist. Heute leben nach Schätzungen des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Michel Sabbah, allein in den USA rund 400.000 palästinensische Christen. Besonders zugespitzt hat sich die Entwicklung in Jerusalem: 1946 waren von 165.000 Einwohnern noch 32.000 christliche Araber, 1992 bei einer Einwohnerzahl von 540.000 nur noch 9.000. Aber auch in Nazareth sank der Anteil an der christlichen Bevölkerung von 52 Prozent im Jahr 1961 auf heute 34 Prozent.
Die kleineren ethnischen und religiösen Minderheiten
Neben den muslimischen und christlichen Arabern leben in Israel weitere ethnische und religiöse Minderheiten. Die bedeutendsten sind die Drusen, Beduinen, Tscherkessen und Armenier.
Die drusische Gemeinschaft entstammt einer muslimischen Reformbewegung, die sich im 11. Jahrhundert vom Islam abgespalten hatte. In Israel leben rund 80.000 Drusen in 22 Ortschaften in Galiläa im Norden des Landes. Weitere drusische Minderheiten gibt es in Syrien, wo sie mit etwa 750.000 Personen ca. 4 Prozent der Gesamtbevölkerung repräsentieren, sowie im Libanon, der die Heimat von weiteren 250.000 Drusen ist. Zwar leben die Drusen fast alle in gemischten dörflichen Gemeinschaften Seite an Seite zusammen mit christlichen und muslimischen Nachbarn, sie haben aber aufgrund ihrer Erfahrungen als oftmals verfolgte Minderheit ein eher gespanntes Verhältnis zu ihrer übrigen muslimischen Umwelt. Genau deshalb zeigten sie sich nach 1948 bereit, nicht nur am wirtschaftlichen Leben des neu gegründeten Staates Israel teilzuhaben, sondern auch am politischen und gesellschaftlichen. Sie unterliegen der Wehrpflicht und erwiesen sich seither als loyale und gute Soldaten. Drusen haben in Israel Karriere gemacht. So ist der Chef des Home Front Command der israelischen Streitkräfte, Yussuf Mishlav, Druse. Ebenfalls der Nachrichtendirektor des israelischen Staatsfernsehens, Rafik Halabi. Und das Aussenministerium ernannte 1999 einen Drusen zum Botschafter.
Rund 170.000 Beduinen leben heute in Israel, rund zwei Drittel von ihnen im Negev im Süden des Landes, etwa 10.000 in Zentralisrael und ca. 50.000 im Norden. Seit der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 hat sich ihre Zahl aufgrund des überdurchschnittlich hohen Bevölkerungswachstums von jährlich 5 Prozent sowie einer verbesserten medizinischen Grundversorgung verzehnfacht. Zwar gehören rund 30 Prozent der Beduinen nicht der gesetzlichen Krankenkasse an, aber dennoch steht ihnen eine medizinische Grundversorgung zur Verfügung. Die Analphabetenquote sank im selben Zeitraum von über 95 Prozent auf heute knapp 25 Prozent. Dennoch: Trotz aller Fortschritte stehen die Beduinen am unteren Ende der sozialen Skala: Während 96 Prozent der jüdischen Bevölkerung im Alter von 14 – 17 Jahren eine höhere Schule besuchen, sind es 79 Prozent der arabischen, aber nur 43 Prozent der beduinischen Jugend. Hinzu kommt, dass nur 10 Prozent aller Mädchen aus einer Beduinenfamilie auf eine höhere Schule gehen. Und die vom israelischen Staat in den sechziger Jahren unternommenen Versuche, die Beduinen sesshaft zu machen, lassen sich schwerlich als Erfolg deuten: Heute lebt rund die Hälfte aller Beduinen in sieben eigens gegründeten Städten. Die grössten sind Tel Sheva und Rahat, beide mit über 10.000 Einwohnern - doch zugleich sind diese mit Abstand die ärmsten Kommunen des Landes. Das jährliche Durchschnittseinkommen beträgt hier 38 Prozent des jüdischen Durchschnittseinkommens. Die Beduinen unterliegen nicht der allgemeinen Wehrpflicht, aber etwa 5 – 10 Prozent von ihnen melden sich freiwillig zum Militär, wo sie insbesondere als Fährtenleser einen hervorragenden Ruf geniessen. Die Aufdeckung eines Spionagerings von elf beduinischen Soldaten im Oktober des Jahres 2002, der Informationen über israelische Truppenbewegungen an die Terrororganisation Hizbollah im Libanon weitergab und als Gegenleistung dafür mit Drogen versorgt wurde, hat das Verhältnis in jüngster Zeit etwas belastet.
Rund 3.000 Tscherkessen leben verteilt auf zwei Dörfer im Norden Israels. Die Tscherkessen gehören zwar von ihrer Religion her zu den Muslimen, sind ethnisch aber keine Araber. Ihre Wurzeln liegen im nördlichen Kaukasus, von wo sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor den Truppen des zaristischen Russlands fliehen mussten und anschliessend Zuflucht im Osmanischen Reich fanden. Als verschwindend kleine Minorität haben es die Tscherkessen verstanden, ihre kulturelle Identität erfolgreich zu wahren und trotzdem am wirtschaftlichen und politischen Leben in Israel zu partizipieren. Wie die Drusen unterliegen sie der allgemeinen Wehrpflicht und dienen in der israelischen Armee.
Armenier leben seit über zwei Jahrtausenden in der Region. Doch ist ihre Gemeinschaft in den letzten Jahrzehnten von ca. 15.000 auf weniger als 4.000 geschrumpft. Die meisten von ihnen leben in Jerusalem. Ein Teil ist im Besitz der israelischen Staatsbürgerschaft. Die Armenier sind Christen und gehören entweder der Armenisch-Orthodoxen (ca. 3.000) oder der Armenisch-Katholischen Kirche ( ca. 900) an.
Gastarbeiter – Israels unsichtbare Menschen
Nach Schätzungen des Innenministeriums in Jerusalem leben heute über 250.000 ausländische Arbeitnehmer in Israel. Rund 100.000 von ihnen haben keine gültige Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis. Genaue Daten kennt niemand. Die Hilfsorganisation Kav La’Oved, die Gastarbeitern Rechtshilfe offeriert, spricht gar von über 300.000 Personen. Die grössten Gruppen stammen aus Rumänien (50.000), den Philippinen (30.000), Thailand (23.000) und China (23.000). Der Rest verteilt sich auf Länder wie Ghana, Nigeria, Ecuador, Kolumbien, Polen und Vietnam. Sogar aus dem benachbarten Jordanien kommen Menschen, um in Israel ihr Glück zu versuchen. Mittlerweile gibt es auch mehr als 5.000 Gastarbeiterkinder, von denen die meisten in Israel geboren sind. Für sie besteht seit dem Jahr 2000 Schulpflicht.
Für den Zuzug dieser vornehmlich aus der Dritten Welt stammenden Menschen nach Israel gibt es zwei Gründe:
- Die Tage der „Avodah Ivrit“, der „hebräischen Arbeit“ wie es zu Pionierzeiten gerne hiess, sind lange vorbei. Nach 1967 standen massenhaft billige palästinensische Tagelöhner zur Verfügung, die all jene Jobs verrichteten, für die sich keine jüdischen Arbeitskräfte mehr finden liessen oder zu teuer waren. Und wenn heute kein palästinensischer Bauarbeiter mehr da ist, weil er spätestens seit Ausbruch der Zweiten Intifada als Sicherheitsrisiko gilt, oder wenn sich partout keine israelische Putzfrau mehr finden lässt, greift man eben auf Gastarbeiter zurück.
- Israel reihte sich bedingt durch den Aufschwung seiner Wirtschaft in den neunziger Jahren in den Kreis jener wohlhabenden Länder ein, die zum lohnenden Ziel für Migranten aus den ärmeren Regionen der Welt wurden. Entweder reisten sie mit einem Touristenvisum ein und schlagen sich seitdem mit Gelegenheitsjob durch. Oder aber, sie wurden von Vermittlungsagenturen legal oder illegal angeworben und gegen Gebühren von bis zu 4.000 Dollar, die sie selbst zu entrichten haben, an israelische Arbeitgeber vermittelt.
10 Prozent aller Arbeitskräfte in Israel sind heute ausländische Gastarbeiter. Problematisch ist ihre Situation in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Angesichts einer Arbeitslosenquote von über 10 Prozent werden immer wieder Stimmen laut, die ein Anwerbungsstopp und die Abschiebung aller illegal Beschäftigten fordern. Vielerorts herrscht juristischer Missstand und Doppelmoral: Da Arbeitsgenehmigungen immer nur an ein einziges Beschäftigungsverhältnis gekoppelt sind, sehen sich viele Gastarbeiter dem Wohlwollen ihres Arbeitgebers schutzlos ausgeliefert. Sie haben nicht das Recht, nach Belieben ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Und: Verliert ein ausländischer Arbeitnehmer – aus was für Gründen auch immer - seinen Job, wird er automatisch zum Illegalen. Das erklärt die extrem hohe Zahl von illegal sich in Israel aufhaltenden Menschen. Nicht wenige Arbeitgeber nutzen diese Situation aus und beschäftigen Arbeiter ohne gültige Papiere zu einem Hungerlohn. Eine Integration dieser Menschen oder zumindest eine bessere arbeitsrechtliche Absicherung scheint für die Mehrheit der Israeli und ihrer Politiker noch ein Tabuthema zu sein.
Der Wandel in der arabisch-israelischen Gesellschaft
In den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts unterlag die arabisch-israelische Gesellschaft einem tiefgreifenden sozialen, ökonomischen und politischen Wandel wie selten zuvor. Unter der ersten Generation der israelischen Araber dominierte noch die ländliche Bevölkerung, denn die urban geprägten palästinensischen Eliten hatten während der Kriegswirren der Jahre 1947/48 zum grössten Teil ihre alte Heimat verlassen. Aber aufgrund ihres rasanten Bevölkerungswachstums sahen sich die israelischen Araber nun zu einer grösseren Mobilität gezwungen, weil die dörflichen Strukturen einfach nicht mehr die notwendige Zahl der Arbeitsplätze zur Verfügung stellen konnten. Gewiss, rund die Hälfte von ihnen lebt immer noch auf dem Lande. Arbeit und Ausbildung finden sie jedoch überwiegend in den grossen Städten wie Tel Aviv oder Haifa. So studierten an den Hochschulen Israels 1999 rund 7.200 arabische Studenten, 4.300 davon waren Muslime, 2.000 Christen und 900 Drusen. Die Universität Haifa hat mit knapp 20 Prozent den grössten Anteil arabischer Studenten im Land. Zwar gingen 1998 nur 11 Prozent aller arabischen Schüler mit Hochschulabschluss an eine Universität – im Vergleich: bei den jüdischen Schülern sind es 24 Prozent – doch hat sich der Abstand in Sachen Bildung zwischen beiden Gruppen verringert. 1979 besuchten lediglich 29 Prozent aller 14 bis 17jährigen israelischen Araber einer höhere Schule, im Jahre 2000 waren es 79 Prozent. Deutlich gewandelt hat sich auch die soziale Rolle der Frauen. Noch 1970 besuchten nur 9 Prozent aller arabischen Frauen für mehr als acht Jahre eine Schule, im Jahre 2000 waren es bereits 59 Prozent. Dennoch sind sie auf dem Arbeitsmarkt deutlich unterrepräsentiert. Während heute rund 53 Prozent aller jüdischen Frauen berufstätig sind, liegt der Anteil bei arabischen Frauen bei nur 15 Prozent. Die Tatsache, dass es in der überwiegenden Mehrheit aller arabischen Familien nur eine berufstätige Person gibt, erklärt auch ihr geringeres Durchschnittseinkommen.
Der tief greifende soziale und ökonomische Wandel hat seine Spuren ebenfalls in den politischen Strukturen innerhalb der israelisch-arabischen Minorität hinterlassen. Bestand früher die traditionelle Führung fast gänzlich aus lokalen Persönlichkeiten, Notablen oder Clan-Chefs, die sich um die Belange allein ihres Dorf oder ihrer Familie kümmerten, so änderte sich dies im Laufe der Jahre. Spätestens mit der Gründung des Forum of Arab Council Heads, das aus den Bürgermeistern arabischer Kommunen besteht, und dem Supreme Monitoring Committee, in dem die arabischen Mitglieder der Knesset sitzen, kristallisierte sich in den achtziger Jahren eine Art nationale israelisch-arabische Führung heraus, die trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit ihre kollektiven Interessen gegenüber Israel zu vertreten versucht. Nur zum Teil geht es dabei um Fragen der Budgetierung der arabischen Städte und Dörfer, denn die Tatsache, dass die arabischen Knesset-Abegordneten nicht mehr aus der Riege lokaler Notablen oder Clan-Chefs stammen, sondern aus der Riege politischer Aktivisten, die für eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Anerkennung der israelischen Araber kämpfen, verweist in die eigentliche politische Stossrichtung. Gewählt werden die Bürgermeister und sonstigen kommunalen Vertreter in den arabischen Gemeinden genauso wie in den israelischen: Die Bürgermeister durch direkte Wahlen, die Stadt- und Gemeinderäte durch Parteilisten. Symptomatisch für den politischen Wandel ist die Entwicklung der arabisch-sprachigen Medienlandschaft: 1980 standen den israelisch-arabischen Publikum 37 Tages- und Wochenzeitungen zur Verfügung, heute sind es mehr als 60.
Auf der Suche nach einer Identität
Seit der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 befinden sich die meisten israelischen Araber auf der Suche nach ihrer Identität: Sie alle haben zwar die israelische Staatsbürgerschaft, geniessen das aktive und passive Wahlrecht, sind jedoch vom Wehrdienst befreit. Doch die entscheidende Frage lautet: Sind sie nun eigentlich Israeli oder Palästinenser? Sollen sie sich als selbstbewusste palästinensische Minderheit innerhalb des israelischen Staates definieren und an seinen Institutionen partizipieren, oder aber betrachten sie sich ausschliesslich als Bestandteil einer zukünftigen Nation Palästina und damit allein der arabischen Welt zugehörig? Insbesondere die junge Generation scheint nicht mehr bereit zu sein, das weitgehend konforme Minoritätenverhalten ihrer Eltern beizubehalten. Schon die Bezeichnung „israelischer Araber“ ist für sie problematisch. Israelisch-arabische Politiker selbst sprechen von „palästinensischen Arabern in Israel“. Und laut einer aktuellen Studie des „Center for Peace“ in Givat-Haviva bezeichnen sich heute 67 Prozent eher als „palästinensische Araber“ als „israelische Araber“. Nur 11 Prozent geben an, sie seien „israelische Araber“. Im Vergleich: 1995 waren es noch 38 Prozent. Die Gründe für diese Entwicklung sind in der Frustration über die Politik des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und den Ereignissen des Herbstes 2000 zu sehen.
Selbst heute, über ein halbes Jahrhundert nach der Gründung des Staates Israel, sind ihre Identitätsprobleme nicht gelöst. Israels Araber stellen eine nationale Minderheit dar, die seit mehreren Jahrzehnten versucht, zwischen gegensätzlichen politischen Strömungen einen ausgewogenen Kurs einzuschlagen und ihre Existenz zu behaupten. Ihr grösstes Problem: Sie leben in einem Staat, der per Definition jüdisch ist und seine Tore für Juden aus aller Welt offen hält. Viele israelische Araber konnten sich deshalb lange Zeit nicht mit der Realität Israels abfinden. Wenn sie von Israel sprachen, das sie nicht als wirklichen Staat anerkennen wollten, benutzten sie für den Begriff „Staat“ jeweils Etikettierungen wie “falsch” oder “angeblich”. Israel wurde mit dem mittelalterlichen Kreuzfahrerstaat verglichen, der trotz seiner militärischen Überlegenheit nur ein vorübergehendes Phänomen war. „Unser Tag wird noch kommen,” lautete das Motto, unter dem sie die Zukunft des israelischen Staates sahen. Das unterschiedliche Bevölkerungswachstum, der Rückgang der jüdischen Einwanderung in den siebziger und achtziger Jahren und die Intifada gaben solchen Hoffnungen jeweils Aufschwung. Andererseits tat sich aber auch Israel schwer im Umgang mit seinen arabischen Bürgern. Bis 1966 unterlagen sie der Militärverwaltung, die ihre Bewegungsfreiheit stark einschränkte und kontrollierte. Selbst um von einem Dorf ins nächste gelangen zu können, benötigten israelische Araber bis zur Aufhebung der Militärverwaltung am 1. Dezember 1966 die Genehmigung der lokalen Militärbehörde. Und obwohl in der israelischen Unabhängigkeitserklärung ausdrücklich festgehalten wird, dass alle Bürger unabhängig von Rasse, Geschlecht oder Glauben gleichberechtigt sind und der Staat Israel oft bewiesen hat, dass er dieser Verpflichtung auch Folge leistet, schlägt den israelischen Araber immer noch viel Misstrauen entgegen. Sie leiden unter dem Image, eine bedrohliche „Fünfte Kolonne“ zu sein, die im Ernstfall eine Gefahr darstellt. Dabei lassen sich Israels Araber im Vergleich zu den anti-zionistischen Vertretern einiger jüdisch-orthodoxer Gruppen geradezu als israelische Musterbürger bezeichnen. Und im Arbeitsleben unterliegen sie eindeutig einer Diskriminierung: Im Jahre 2000 fand sich unter den vielen tausend Mitarbeitern der staatlichen Fluglinie El Al ein einziger Araber. Nur ganze fünf israelische Araber stehen bei den israelischen Elektrizitätswerken auf den Gehaltslisten, und dies bei einer Gesamtbelegschaft von 13.000 Mitarbeitern. Das Argument gegen die Beschäftigung von Arabern lautet immer noch: Sie könnten ein Sicherheitsrisiko darstellen.
Insbesondere nach dem Ausbruch der 2. Intifada im Herbst des Jahres 2000 erlebte das Verhältnis zwischen jüdischen und arabischen Israelis eine ganze Serie dramatischer Rückschläge: Bei Zusammenstössen mit israelischen Sicherheitskräften einen Tag nach dem Besuch Ariel Sharons auf dem Tempelberg kamen sieben Palästinenser ums Leben. Für den 1. Oktober 2000 waren deshalb ein Generalstreik und Demonstrationen angesetzt, denen sich Hand in Hand mit der Palästinensischen Autonomiebehörde erstmals auch die israelischen Araber anschlossen. Die Protestkundgebungen nahmen ein nie gekanntes Ausmass an: Israelische Ortschaften waren plötzlich von der Aussenwelt abgeschnitten und wichtige Verbindungsstrassen unterbrochen – undenkbar in Friedenszeiten. In Nazareth, Umm el-Fahm und anderen Orten kam es zu Ausschreitungen, in deren Verlauf 13 Demonstranten – israelische Araber - von der Polizei erschossen werden. Sogar in Jaffa, vor den Toren Tel Avivs, kam es zu Gewalttätigkeiten. Der Hergang der blutigen Ereignisse bildet seit Februar 2001 Gegenstand einer staatlichen Untersuchung, der „Or-Kommission“. Der Vorwurf vieler arabischer Israelis lautet: Der Polizeichef des Norddistriktes, Alik Ron, hätte leichtfertig den Befehl gegeben, auf die Demonstranten zu schiessen. Dies konnte nur geschehen, weil es sich bei den Demonstranten um Araber gehandelt hatte, bei Juden hätte er anders gehandelt. Die Arbeit der „Or-Kommission“ ist noch nicht beendet, immer wieder müssen die verantwortlichen Politiker wie der ehemalige Ministerpräsident Ehud Barak oder sein damaliger Polizeiminister Shlomo Ben-Ami zu den blutigen Ereignissen im Herbst 2000 Stellung beziehen
Das Wahlverhalten der arabischen Israelis
Die arabische Minderheit nimmt aktiv am politischen Leben in Israel teil. Zwar betrachten sie die israelische politische Szene oftmals mit einer gehörigen Portion Zynismus und nennen das jeweilige Wahljahr sarkastisch „sanat al marhabe“, ein Jahr, in dem ihnen die Vertreter der jüdischen Parteien viele Besuche und noch mehr Versprechungen machen. Und nach den Wahlen herrscht dann jeweils ein tiefes Schweigen. Nicht wenige arabischen Wähler boykottierten deshalb die israelischen Wahlen als Ausdruck ihres Protestes gegen die Haltung des Staates, dessen Bürger sie eigentlich sind. Dabei macht der arabische Stimmenanteil satte 13 Prozent aller israelischen Wähler aus. Angesichts der zersplitterten Parteienlandschaft in Israel stellen die israelischen Araber ein nicht zu unterschätzendes Potenzial dar. Über 90 Prozent stimmten 1999 für Ministerpräsident Ehud Barak und trugen so massgeblich zu seiner Wahl bei. Als Reaktion auf die blutigen Ereignisse im Herbst 2000 blieben sie bei den Wahlen im Februar 2001 zu über 80 Prozent den Wahlurnen entweder fern oder äusserten ihren Protest gegen die Haltung israelischer Politiker durch die Abgabe ungültiger Stimmzettel.
Dennoch sind unter den israelischen Arabern demokratische Prinzipien weit verbreitet. Über 88 Prozent von ihnen bejahen die Aussage, dass Israel ein demokratischer Staat sein sollte und unterstützen seine rechtsstaatlichen Prinzipien. Sie geniessen die Freiheit, sich politisch zu organisieren, zu wählen und gewählt zu werden. Das Wahlverhalten israelischer Araber und ihre Einstellung zu den politischen Parteien reflektiert sehr genau ihre jeweilige Stimmungslage. Zwar gibt es in allen grossen Parteien Israels Listenplätze für israelische Araber, doch wird das Engagement in einer zionistischen Partei innerhalb der israelisch-arabischen Gesellschaft oftmals als illoyal oder als unvereinbar mit den spezifisch arabischen Interessen bewertet. Aber auch von den arabischen Parteien sind viele Wähler mittlerweile enttäuscht, zu oft dienen sie nur als Plattform zur Profilierung einzelner arabischer Politiker, die vielmehr ihre eigenen Interessen als die ihrer Wählerschaft zu verfolgen scheinen.
Politisch ist die arabisch-israelische Minderheit ähnlich der jüdischen Mehrheit stark fragmentiert: Die alte kommunistische Partei Rakach, die lange Zeit die einzige Gruppierung war, welche die Interessen der israelischen Araber vertrat, in den achtziger Jahren aber als zu gemässigt mehr und mehr an Einfluss verlor, bekam immer mehr Konkurrenz. Und 1988 verliess der arabische Knesset-Abgeordnete Abdul Wahab Daroushe die Arbeiterpartei, für die er bis dato im israelischen Parlament sass, und gründete die Arab Democratic Party. 1996 rief der charismatische Rechtsanwalt Azmi Bishara die National Democratic Assembly ins Leben. Mit den Jahren wuchs so der arabische Einfluss in der Knesset. Sassen in der ersten Knesset 1948 lediglich drei arabisch-israelisch Parlamentarier, so sind es in der 15. Knesset mittlerweile dreizehn israelische Araber aus fünf arabischen Fraktionen sowie drei zionistischen Parteien:
| Muhammad Barake (Hadash) | Muhammad Kanan (NAP) | Nawaf Mazalha (Labor) |
| Azmi Bishara (Balad) | Ayub Kara (Likud) | Salah Tarif (Labor) |
| Abdulmalik Dahamshe (UAL) | Tawfik Khatib (NAP) | Ahmad Tibi (Ta-al) |
| Taleb A-Sana (UAL) | Hashem Mahameed (UAL) | |
| Hussniya Jabara (Meretz) | Issam Malhoul (Hadash) | |
Aufgrund der wachsenden Enttäuschung über die Politiker aus den eigenen Reihen und wegen ihres geringen politischen Einflusses und der oft noch bestehenden Benachteiligung in sozialen und wirtschaftlichen Bereichen, gewann innerhalb der israelisch-arabischen Gesellschaft die islamistische Bewegung zunehmend an Gewicht. Sie betrat erstmals 1988 die politische Bühne und verstand es seither, ihren Einfluss ständig auszubauen. Doch auch die islamistische Bewegung tritt nicht einheitlich auf, sondern spaltete sich 1996 aufgrund der unterschiedlichen Auffassung, ob man sich als Islamisten an israelischen Parlamentswahlen beteiligen soll oder nicht, in zwei Strömungen: Den so genannten „nördlichen Flügel“ unter der Führerschaft von Scheich Raed Salah, dem früheren Bürgermeister der Stadt Umm el-Fahm, und den „südlichen Flügel“ mit Scheich Abdallah Nimr Derwish aus Kafr Kassem an der Spitze. Der „nördliche Flügel“ gilt als der eindeutig radikalere von beiden. Scheich Raed Salah schafft es unter der Parole „Al-Aksa ist in Gefahr“ immer wieder die arabisch-israelischen Massen auf die Strasse zu bringen. Zudem gab er mehrfach seine Sympathien für Osama bin Laden zum Ausdruck. Der erste arabische Israeli, Muhammad Shaker Hubeishi aus dem Dorf Abu Snan im Westen Galiläas, der im September 2001 einen Selbstmordanschlag im nordisraelischen Naharya verübte, galt sowohl als dem „nördlichen Flügel“ der Islamisten als auch dem nach Scheich Izz ed-Din al-Kassam genannten militärischen Flügel der Hamas zugehörig. Ein weiteres Indiz für den Zusammenhang zwischen dem Terror und den Islamisten: Nach dem Anschlag Hubeishis absolvierte Scheich Raed Salah einen Kondolenzbesuch bei der Familie des Selbstmordattentäters. Im Unterschied zu dem „südlichen Flügel“ nehmen Scheich Raed Salah und seine Anhänger aus Ablehnung gegenüber dem Staat Israel und seinen Institutionen nicht an den Parlamentswahlen teil, sie haben aber Vertreter in einer Handvoll kommunaler Verwaltungen. Ihr politisches Endziel: Die Schaffung eines arabischen Grossreichs auf Basis der Scharia. Im Dezember 2002 verbot das israelische Innenministerium die den Islamisten nahe stehende Zeitschrift „Saut al-Haqwa-l-Hurriya“, da sie sich zu einem Forum für Meinungen entwickelt hatte, die mit denen der Terrororganisation Hamas gleichzusetzen seien – so die Begründung. Der „südliche Flügel“ dagegen hat drei Repräsentanten in der Knesset sitzen, zusammen auf einer gemeinsamen Plattform mit der Arab Democratic Party. Scheich Abdallah Nimr Derwish bezog zudem Stellung gegen das Prinzip des „Heiligen Krieges“ und betont die Notwendigkeit des islamisch-jüdischen und palästinensisch-israelischen Dialoges. Das Erfolgsrezept der Islamisten beider Strömungen beruht jedoch nicht nur auf ihren politischen Aussagen und Zielen oder einer Radikalisierung der israelischen Araber. Die Islamisten verstanden es, Sympathien durch den Aufbau eines von Israel unabhängigen Netzes sozialer Einrichtungen wie Kindergärten, medizinischen Versorgungsstätten und dem in Umm el-Fahm gegründeten islamischen College zu gewinnen.


